Die Auferstehung des Kapitalismus

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Die Auferstehung des Kapitalismus

Das zentrale christliche Fest Ostern, das viele Menschen heute begehen, ist ein guter Zeitpunkt, um über den Glauben nachzudenken. Warum? Weil die Auferstehung, die wir Christen zu Ostern feiern, das Leben nach dem Tod begründet. Damit wurde ein gewinnbringender Glaubensgrundsatz gesetzt – nicht nur für die Kirche. Ich möchte an dieser Stelle keinen Schwenk in die Kirchengeschichte machen, aber wer sich nicht mehr genau erinnern mag, den sei kurz der Ablasshandel ins Gedächtnis gerufen.

Ich weiß, all das ist lange her und die Kirche notgedrungen und für meine Begriffe noch immer sehr verhalten in der Erneuerung, aber gerade jetzt – mitten in der Corona Krise – stoßen wir wieder einmal an unsere Glaubensgrundsätze, die ganz unmittelbar mit dem Tod zu tun haben. Und, obgleich wir noch lange nicht die Sterblichkeitsraten von den jährlich-gezählten Grippetoten erreicht haben, hat ein kleiner Virus unser gesamtes Wirtschaftssystem binnen drei Wochen beinahe lahmgelegt.

Noch nie wurde die Fragilität unserer Wirtschaft offensichtlicher. Noch nie wurden unsere Glaubensgrundsätze an den Kapitalismus in dieser Breite so strapaziert. Und, noch nie haben wir als Gesellschaft, außer einige Menschen, die die Kriegs- und Nachkriegsjahre des Zweiten Weltkrieges erlebt haben, binnen kurzer Zeit erleben müssen, was es bedeutet, wenn unsere Grundrechte in Diskussion gestellt werden.

 

Da darf man die Frage stellen: Ist der Kapitalismus an seine Grenzen gestoßen?

 

Zu aller erst:  Der Kapitalismus ist eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die nicht erst seit den beiden letzten und auch in dieser Krise, immer wieder zur Diskussion gestellt wird. Etliche engagierte Menschen, wie die weltweite Fridays for Future-Bewegung fordern bereits lange vor der Krise eine nachhaltige Trendwende in Umgang mit den Ressourcen dieser Welt ein und zeigen beharrlich die Konsequenzen des westlichen Überflusssystems auf. Oliver Tanzer bringt den Zustand des Kapitalismus in seinem Buch Animal Spirits auf den Punkt:

 

Die Ökonomie des Kapitalismus macht dieser Tage eine traurige Figur – sie macht die traurigste Figur, die ein System machen kann. Sie tut einfach nicht, was ein System tun sollte: eine stabile Ordnung schaffen.

 

Von einer stabilen Ordnung in einem stabilen System sind wir meilenweit entfernt. Bedenkt: Die vierte Woche der neuen Ordnung, der Corona Ordnung, wie ich sie nenne, beginnt und wir stehen vor Arbeitslosenzahlen, die es zuletzt im Jahr 1946 gegeben hat. Milliarden-schwere Hilfsfonds werden freigegeben, über Re-Verstaatlichung wird diskutiert und in Summe viele Maßnahmen gesetzt, um die Menschen in Ihren Existenzängsten zu beruhigen. Um Ihr alltägliches Leben zu sichern. Um Unternehmen zu retten und damit verbunden Jobs.

Aber geben wir uns keiner Illusion hin. All das was in Bausch und Bogen über Österreich und all die anderen Länder ausgerollt wird, all die Gelder, die jetzt fließen, müssen wieder verdient werden, muss jeder Steuerzahler wieder re-finanzieren. Wenn wir nach der Krise an diesem Punkt angelangt sind, sollten wir genau schauen, welche neuen oder wiederkehrenden Steuerbelastungen wir akzeptieren – oder eben nicht. Wessen Pfründe der Macht erhalten oder möglichweise sogar wiederbelebt werden. Aber mir scheint, das sind Gedanken einer alten Ordnung, der Ordnung von Macht und Mangel, von Lob und Tadel, von Zuckerbrot und Peitsche.

Neue Begriffe formen Neues

 

Die Erkenntnis ist nicht neu – und ich spreche an dieser Stelle nicht von den Buzzwords, die professionelle Futuristen in Zeiten wie diesen beinahe wöchentlich ins Land und dann gefolgt von 10 Büchern in Umsatz umsetzen. Im Zentrum stehen wahre Vordenker, die es schaffen unsere Weltbilder ins Wanken zu bringen. Die das Wort Innovation in den Schatten stellen und in ihren Thesen neue Zusammenhänge kreieren, die uns befremden wie gleichermaßen faszinieren. Die ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem denken können.

Wäre der Appell an ein neues Wirtschaftssystem, dass sich von der bestehenden Gesellschaftsordnung, einer Ordnung in der die Armen im seltensten Fall von den Erträgen des Fortschritts profitieren, wirklich gewollt, dann würde sich im Hier und Jetzt ein Window of Opportunity, um im Jargon des bestehenden zu bleiben, öffnen. Ein Fenster, um diesen Menschen Gehör zu schenken und endlich aus der Vergangenheit und der Gegenwart zu lernen. Aber möglicherweise stellt die Art, in der wir gelernt haben zu lernen, das erste und größte Problem dar. Unterliegt dem Leistungssteigerungs-Prinzip. Einem Prinzip, das jeder natürlichen Ordnung zuwiderläuft. Nicht umsonst entsteht der Gedanke an etwas Neues in-between, wie ich es nenne. Zwischen der intensiven Beschäftigung mit dem Thema und dem sein lassen. In einer Phase der thematisch-oberflächlichen Ruhe re-strukturiert unser Gehirn, mistet aus und macht Platz für das Neue.

Vielleicht brauchen wir nach dieser Krise einfach Ruhe, nicht irgendein Narrativ der Heilung. Keine >> Alles wird wieder gut-Apostel << sondern mutige Menschen, die wirklich einen anderen Schritt, einen redstep, in die Zukunft setzen wollen.  Ehrlicherweise macht mich die rückblickende Betrachtung auf die erfolgten Veränderungen der letzten beiden Krisen skeptisch. Denn wenn eines wirklich Beständigkeit bewiesen hat, dann unser Wirtschaftssystem.

 

Ob es nun nach dieser Krise zur Auferstehung des Kapitalismus kommt oder wir eine Zeit erleben dürfen, in der das Nullwachstum das Gesamtwachstum in keiner Weise hemmt. Was meint Ihr?

 

Frohe Ostern wünscht Euch nachdenklich

Katharina

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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