Sei ein Einhorn und nimm Deine Hürden im Kopf

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Sei ein Einhorn und nimm Deine Hürden im Kopf

Generation Einhorn?  Von wegen. Und, auch doch irgendwie, wenn man den zigfachen Zuschreibungen der Generation Y, Glauben schenken will. Gleich vorweg: Ich halte nichts von all diesen Zuschreibungen, die mehr dazu dienen Generationen zu entfernen als zusammenzubringen. Theresa Stürmer ist wie wir alle ein Kind ihrer Zeit, der Generation Y laut sozialpsychologischer Perspektive. Das war es dann aber auch schon. Was sie aber ganz sicher ist: Eine junge, mutige Frau, die Ihr Leben auf der Haut trägt und bereits viele Hürden in Ihrem Kopf genommen hat und an das glaubt, was in Ihr steckt: an Ihre Kreativität.

Katharina:

Tattoos sind heute ein fester Bestandteil der eigenen Körpergestaltung geworden. Was bedeutet es für Dich, einen Körper zu gestalten?

Theresa:

Das ist prinzipiell immer ein bisschen vom Projekt abhängig. Grundsätzlich ist es aber immer eine Ehre einen Menschen so permanent dekorieren zu dürfen. Auch wenn sich gewisse Dinge doch irgendwo wiederholen, ist jedes Tattoo eine eigenständige Begegnung die ihrer eigenen Aufmerksamkeit bedarf. Viele Tattoos sind mittlerweile Routine geworden, trotzdem bin ich oft gerührt, dass Menschen, die mich eigentlich nicht kennen, mir soviel Vertrauen schenken.

Katharina:

Die Ästhetik unterliegt einem kulturellen und ein gesellschaftlichen (Ein)Verständnis – wie der Begriff Schönheit. Fühlen sich Menschen, die sich ein Tattoo stechen lassen, mit Tattoo schöner?

Theresa:

Vielleicht geht es nicht immer um Schönheit, aber auf jeden Fall habe ich den Eindruck, dass sich meine Kundschaften durch ihren Körperschmuck bestärkt fühlen. Manchmal kann ein Tattoo helfen, Teile des Körpers oder der Persönlichkeit besser anzunehmen. In erster Linie geht es eigentlich immer darum sich einen individuellen Wunsch zu erfüllen und etwas für sich selbst zu schaffen. Tattoos sind natürlich stark von aktuellen Trends abhängig, trotzdem lassen sich Leute bei mir ausschließlich für sich selbst tätowieren und treffen damit eine ganz selbst bestimmte Entscheidung ihren Körper nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Katharina:

Was sind die Motive Deiner Erfahrung nach, warum sich Menschen ein Tattoo oder auch mehrere stechen lassen?

Theresa:

Das variiert sehr stark. Nach wie vor sind Familie, Freundschaft, Idole, und die Pop Kultur sicher die wichtigsten Inspirationsquellen. Leute, die sich von mir verzieren lassen, wollen immer etwas mit sich >> rumtragen>>,  das ihnen Freude bereitet.

Katharina:

Was war Dein persönliches Motiv? Auf Deinem rechten Arm lugt ja ein farbenfrohes Einhorn hervor…

Theresa:

Ich kann mich gut an den Tag erinnern, als meine Familie Kabelfernsehen bekommen hat. Da hab ich dann zum ersten Mal bei einem Musiksender eine stark tätowierte Moderatorin gesehen und gewusst: Das gefällt mir. Der Weg bis zum ersten eigenen Tattoo war dann doch ein weiter. Schlussendlich hat mir die Ästhetik von vielen Tattoos auf der Haut immer gefallen. Die einzelnen Ideen sind dann nach und nach entstanden und ziehen sich ein bisschen wie ein Tagebuch durch mein Leben. Meine Tattoos haben eigentlich kaum eine Bedeutung. Aber was mir an ihnen gefällt, ist immer stark beeinflusst von dem, was gerade in meinem Leben passiert ist.

Katharina:

Du arbeitest als Tattoo-Künstlerin, ich selber durfte erleben mit welcher Freude, Genauigkeit und Sensibilität Du Tattoos zeichnest und stichst, denn Du hast mir wunderschönes Tattoo gestochen.  Was war auslösend für Dich, um den Beruf der Tattoo-Künstlerin zu erlernen?

Theresa:

Das Kreative war immer da. Schon als Heranwachsende war ich davon überzeugt, meine Fähigkeiten wären nicht ausreichend um tatsächlich einem vernünftigen Beruf zu ergreifen. Erst Jahre nach meinem Schulabschluss, während meinem Studium und nach diversen Jobs konnte ich mich ausreichend davon lösen. Hätte ich damals vielleicht nicht meine ehemalige Chefin und heutige Studio Betreiberin (Ann. Tatuarium) kennengelernt, wäre ich diesen Weg vielleicht erst spät oder gar nicht gegangen.

Katharina:

Kannst Du Dich noch an Deinen Berufswunsch erinnern, den Du nach Abschluss der Schule hattest?

Theresa:

Als Kind wollte ich Tierärztin, Konditorin, Goldschmiedin, Designerin, Pathologie und Pop Star und vieles anderes werden. Später dann fand ich Biologie spannend und so begann ich mit dem Studium. Ich hatte keine wirkliche Vorstellung davon, welchen Beruf ich nach dem Studium ausüben wollen würde. Primär wollte ich nach Wien, weg von der Familie, weg vom Bekannten und hin zu Freiheit und Selbstbestimmung.

Katharina:

Wie passt die Biologie mit den Tätowieren zusammen?

Theresa:

Wirklich viele Berührungspunkte gibt es auf den ersten Blick natürlich nicht. Meine Begeisterung für den Menschen, Tiere und Pflanzen lässt sich aber in den Motiven wiederfinden. Ich mag es besonders gerne botanisch korrekte Pflanzen zu tätowieren. Aber natürlich hat mich mein naturwissenschaftliches Interesse geprägt. Themen, wie Inhaltsstoffe, Wundheilung und Kontraindikationen interessieren – auch im Interesse meiner Kundschaft – brennend. Mir liegt einerseits die Gesundheit meiner Kundschaften sehr am Herzen und andererseits bin gerne am letzten Stand der Forschung.

Katharina:

Wer hat Dir am Weg in die Selbstständigkeit geholfen?

Theresa:

Durch die Mitarbeit im Betrieb (Ann. Tatuarium) vor meiner Selbstständigkeit einiges gelernt. Am Ende habe ich mir aber die meisten Informationen in Kursen und durch harte Arbeit erkämpft. Unser Berufszweig hat, zurecht, strenge Zugangsregeln und Bürokratie ebnet einem den Weg nicht unbedingt. Deswegen unterstütze ich gerne andere Leute, die den selben Weg einschlagen wolle.

Katharina:

Was waren Deine größten Hürden vor dem „Selbstständig machen“?

Theresa:

Die größte Hürde war sicher in meinem Kopf. Alles was ich davor gemacht habe, hatte einen klaren Start und Endpunkt und eine Wegbeschreibung, sozusagen. Selbstständig werden war mein neues Ziel, aber einige Punkte am Weg in die Selbstständigkeit haben mir gefehlt. Vieles davon musst ich mir selbst suchen. Und so ist es im Grunde nach wie vor jeden Tag: Ich lerne stetig, wie mein Geschäft läuft, woran ich arbeiten muss und wie ich weiterkomme.

Katharina:

Wer in Deinem Umfeld ist ein/e richtige/r Mutmacher/In?

Theresa:

Meine Eltern machen mir immer wieder Mut. Beide haben sich selbst immer wieder beruflich verändert und mögen es nicht stillzustehen. Ihnen ist wichtig, dass ihre Kinder glücklich sind und ihre eigenen Wege gehen. Außerdem ist mein Partner da, falls es mal nicht so rund läuft. Bei ihm kann ich zur Ruhe kommen und durchatmen. Er erinnert mich auch immer wieder daran auf mich zu achten, mir Zeit für mich zu nehmen, falls ich mal darauf vergesse.

Katharina:

Gibt es einen Kraftort für Dich – oder auch eine spezielle Umgebung in der Dir besonders oft neue Motive einfallen?

Theresa:

Ich bin gerne in der Natur, besonders am Wasser. Und wenn das zeitlich nicht geht, findet man mich garantiert in meiner Badewanne. Ich brauche Ruhe abseits der vielen Menschen. Nur dann kann ich kreativ sein. Wenn ich bei mir bin. Im Alltag nehme ich mir oft zu viel vor, um Kundschaften zufrieden zu stellen und bleibe dann selbst auf der Strecke. Da muss ich immer wieder durchatmen und Pause machen, sonst bleibt da kein Platz für Kreativität.

Katharina:

Hast Du ein klares Bild, was Du in fünf Jahren beruflich machen möchtest?

Theresa:

Nein. Ich weiß, dass ich jemand bin, der gerne zu detailliert plant und dann enttäuscht ist, wenn Dinge nicht genau so laufen wie erwartet. Ich wünsche mir für die nächsten fünf Jahre: Stetiges Wachstum, neue Erfahrungen und mehr Kundschaften, die speziell an meiner Kunst interessiert sind und ganz individuelle Werke wollen. Ich will mich noch stärker etablieren und einen guten Flow für meinen Berufsalltag entwickeln. Außerdem würde ich gerne reisen und mal als Gasttätowiererin an anderen Orten der Welt arbeiten!

Katharina:

Wird es neben dem Einhorn bald ein Sternenstaub Tattoo geben – vielleicht am linken Arm?

Theresa:

Das kann man bei mir nie so genau wissen. Der linke Arm ist tatsächlich ein verplant, da kommt demnächst ein Waschbär hin! Sonst halte ich es hier ähnlich wie bei der restlichen Planung: step by step. Dinge ändern sich unaufhaltsam, ich mach lieber das, was sich im Moment gut anfühlt.

Danke für das Interview, Theresa.

 

Wer von Euch an einem speziellen Tattoo interessiert ist, findet Theresa hier: Tatuarium.

Weitere Einblicke in das Leben von Theresa Stürmer auf Ihrer Reise von Wien nach Weimar bietet Euch das Video: #traeumweiter

 

 

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